Mythen
Der griechischen Mythologie nach ist Karpathos die
Geburtsstätte der Titanen, Nachkommen von Himmelsvater Uranos
und Erdmutter Gaia. Der jüngste dieser Titanen war Kronos,
Vater von Zeus, Hera und Poseidon. Der Sage nach muß dies
jedoch alles andere als eine glückliche Götterfamilie
gewesen sein. Oft hing der Haussegen schief und diverse
Familienstreitigkeiten wurden mit solcher Brachialgewalt
ausgetragen, daß dabei die halbe Insel zu Bruch ging und die
zerklüfteten Felsen entstanden, die das Bild von Karpathos
prägen.
Nach Poseidon wurde einst die
Inselhauptstadt "Poseídion" benannt und auch der
renitente Prometheus, der (verbotenerweise) den Menschen das Feuer
brachte, soll ein Karpathiot gewesen sein. Schließlich wird
die Insel als vorletzte Station der Argonaten erwähnt: Von
dort segeln sie zum benachbarten Kreta und bestehen ihr letztes
Abenteuer mit dem Riesen Thalos. |
Von den Minoern zu den Dorern
Erste Siedlungsspuren gehen bis auf die
Jungsteinzeit (ca. 2600 Jahre v. Chr.) zurück. Einige der
ältesten bergen die steil aufragenden Felsen der Halbinsel
Paleókastro bei Arkássa.
Man findet dort zahlreiche Artefakte, deren genaues Alter wohl nur
von Fachleuten korrekt bestimmt werden kann. Systematische
Grabungen haben aber bisher nicht stattgefunden. Zu verwitterten
Fundamenten und zahlreichen Tonscherben gesellt sich manchmal
sogar ein Faustkeil. Imposante, bis zu vier Meter hohe
Zyklopenmauern aus riesigen, behauenen Quadern, von denen noch ein
paar Reste stehen, wurden um 1200 v. Chr. von Eroberern aus
Mykonos erbaut, welche die seit etwa 1600 v. Chr. ansässigen
kretischen Minoer verdrängten.
- Eine lange Blütezeit erlebte Karpathos nach
Einwanderung der Dorer um 1000 v. Chr, die der Insel
wirtschaftlichen Wohlstand brachten und zahlreiche Städte
(Pólis) gründeten - zum Teil durch Weiterbesiedelung
alter mykenischer Burgen. Die vier größten waren
Poseídon, das heutige Pigádia),
Arkesía, nahe dem Dorf Arkássa,
Brykoúntos (Wurgúnda) und Níssyros
auf der Insel Saría
im Norden.
Höhlengräber bei Pigádia
(Karpathos Stadt)
In den Perserkriegen (500-479 v. Chr.)
war Karpathos Teil des attischen Seebundes, während des
peloponnesischen Krieges (431-404 v. Chr.) zunächst
Bundesgenosse Athens, danach wieder mit dem dorischen Sparta
liiert. Schließlich geriet die Insel immer mehr unter den
Einfluß von Rhodos und gehörte mit ihr zum Reich
Alexanders des Großen (336-323 v. Chr.). Aus dieser Epoche
und aus der Zeit der Diadochen (323 bis etwa 200 v. Chr.) ist von
Karpathos nur wenig überliefert. Im Jahre 42 n. Chr. wurde es
zusammen mit Rhodos nach langer Zeit der Vasallenschaft Teil des
römischen Reiches und verlor als Teil der Provinz "Insulae"
immer mehr an Bedeutung.
Unter Rittern und Räubern
In der byzantinischen Periode (395 bis ca. 1260)
entfaltete sich das Christentum auf Karpathos, das dort seit dem
2. Jhd. nachweisbar ist. Unter der Herrschaft von Byzanz
entstehen prächtige frühchristliche Basiliken, zum Teil
auf (und mit) den Überresten dorischer Tempel erbaut. Was
davon noch übrig ist, läßt unter anderem bei
Arkássa, Apéri,
Apélla und auf Saría
besichtigen.
Im Mittelalter hatten die Bewohner
jahrhundertelang unter den Raubzügen von Piraten zu leiden,
so daß sie mehr und mehr ins bergige Innere der Insel
flüchteten. Es entstanden die Rückzugsdörfer Apéri,
Menetés, Voláda,
'Othos und das berühmte 'Olympos.
Die Insel selbst erlangte einen zweifelhaften Ruf als
Piratenversteck und nahe der Bucht von Vrónti, an der die
heutige Hauptstadt liegt, soll ein regelrechter Sklavenmarkt
stattgefunden haben. Diesem Zustand halfen weder die Venezianer
(1204 bis 1538) vollständig ab, noch die Genuesen und
Kreuzritter, die recht kurze Gaststpiele als Fremdherren
gaben.
Nach der Eroberung von Rhódos geriet auch
Kárpathos (türk. "Kerpe") 1537 unter
türkische Herrschaft, die fast 400 Jahre mit
geringfügigen Unterbrechungen dauerte. Zwar schränkten
die Besatzer die persönlichen und religiösen Rechte der
Karpathioten per Dekret stark ein, hinterließen aber sonst
mehr gewalttätige als kulturelle Spuren, vor allem auf der
Nachbarinsel Kássos,
wo sie 1824 während des Befreiungskrieges (1821-1829) ein
regelrechtes Massaker anrichteten.
Den Türken folgten
1912 die Italiener, deren Herrschaft bis 1944 dauerte, nach
kurzem Zwischenspiel unter deutscher Militärverwaltung und
englischer Verwaltung. Erst am 7. März 1948 konnte der
Anschluß an das griechische Mutterland proklamiert werden.
Das Ereignis fand vor der Taverne "Elefthería"
(Freiheit) am Ortseingang von Apéri
statt, wo zum Gedenken die griechische Fahne weht.
Der italienische
Einfluß zeigt sich nicht nur an den Verwaltungsbauten in der
Hauptstadt. Viele der älteren Einwohner sprechen
ausgezeichnet Italienisch, ein zwar ungeliebtes aber durchaus
praktisches Erbe.
|